Ungarn – Slowakei – oder was?

Freitag, 10.8.2018
Čunovo – Györ, 66 km – gesamt 1721 km
Nach der ziemlich anstrengenden Tour gestern (Gegenwind bei brüllender Hitze) wollte ich maxial 30 km heute fahren.
Füh aufgewacht und direkt aufgestanden, um die Kühle am frühen Morgen noch mitzunehmen. Wirklich früh losgekommen (um 8 Uhr). Doch schnell zeichnet sich ab: Die Tour heute wird nicht so mörderisch wie gestern. Es schiebt sich immer wieder Bewölkung vor die Sonne und der Wind bläst eifrig von hinten, interessanterweise aus Norden.
So rauschen wir schon 3 km nach dem Start nach Ungarn rein. Auch hier ist die Grenze wieder eher lächerlich. Auf einem Blechschild identifizieren wir die ungarische Flagge und die schwarz-weiß angestrichene Schranke sehen wir mal als Grenze an.

Nach dem Foto rollen wir direkt nach Rajká rein. Der erste ungarische Ort. Zum Glück sind die Schilder teils noch in ungarisch und deutsch geschrieben. Am ersten Lädchen halten wir an. Am benachbarten Geldautomaten wird Geld gezogen und dann geht es ins Abenteuer „in Ungarn ohne Sprachkenntnisse einkaufen“. Gut, dass die Leute hier noch zum Großteil Deutsch sprechen können.
Von Rajká aus lassen wir uns am straßenbegleitenden Fahrradweg der Landstraße entlang von Rückenwind nach Mosomagyaróvár pusten. Nach der Etappe gestern „eigentlich“ mein Maximalziel. Jedoch ist es nach der Besichtigung des Altstädtchens erst 11:30 Uhr und die Puste reicht noch für mehr.

Schnell wird klar, dass Györ nun auch nicht mehr so weit ist. Nach einer kurzen Mittagsrast an der alten Burg Ovár in Mosomagyaróvár setzen wir uns also wieder auf die Landstraße und lassen uns weiter Richtung Györ wehen. Es geht durch einige nette, kleine Örtchen, teils eine abenteuerliche Radegeführung, die wir bisher noch nicht kennen:

Rechts oder links herum um die Kapelle???

Am frühen Nachmittag trudeln wir in Györ ein. Direkt am Ortseingang winkt ein Schild mit „Camping“. Wir schwenken dort ein, landen in einem schönen Garten und dürfen dort unser Zelt aufbauen.
Nun haben wir uns aber Zeit am Wasser verdient. Wir schnappen unsere Schwimmsachen und fahren an die Mosoni-Duna, dem Nebenarm der Donau, der die Gegend hier bestimmt. Nach einer kurzen Zeit des Planschens zieht sich der Himmel komplett zu, es fängt an zu grollen und wir packen angesichts des grauen Himmels unsere Sachen lieber wieder ein und fahren zum Zelt. Dort haben wir kaum das erste Bier aufgemacht, dann blitzt und donnert es und es regnet. Im Zelt verbringen wir mit Lego, lesen und Tagebuch schreiben bei Regentreiben den Rest des Abends.

Samstag, 11.8.2018
Györ – Komáron: 58 km – gesamt 1779 km
Es hat die ganze Nacht mal mehr, mal weniger geregnet. Fein, so haben wir einen Grund auszuschlafen. Frühstück im Zelt. Als der Regen weniger wird, fangen wir an zusammenzupacken. Schließlich hört der Regen auf und wir packen das feuchte Zelt ein.
Kurzer Spaziergang durch Györ. Schönes Städtchen. Es scheint ein Barockfest stattzufinden. Lauter barock verkleidete Menschen bevölkern die Stadt. Peter ist von den ganzen Reifröcken begeistert.
Beeindruckend der Erinnerungsbrunnen an den Erfinder des Sodawassers und des Soda-Syphons.

Als wir aus Györ rausfahren, kommen wir bei einem Obi vorbei. Während Martin reinspringt, um eine neue Gaskartusche für den Kocher zu kaufen, lasse ich den Blick durch’s Gewerbegebiet schweifen und kann Werbung für folgende Läden finden:
Obi (na klar, ich stehe ja davor), DM, C&A, Fressnapf, Aldi, Lidl. Spar, Kaufland, sogar einen Praktiker soll’s hier irgendwo geben. Außer Tesco also alles fest in deutscher Hand und sehr vertraut.
Auf der Hälfte des Weges finden wir einen wunderbaren Radwanderer-Rastplatz inmitten eines Dorfes. Überdachte Tische und Bänke, ein Coop für den Mittagssnack und ein Cafe für eine Tasse Kaffee, die mit zum Rastplatz genommen werden kann. Wir treffen einige Radler vom Campingplatz in Györ wieder.
Auf dem Weg nach Komaron finden wir heute wegetechnisch alles, was der Reiseführer hergibt:
– schön asphaltierter (und langweiliger) Weg auf dem Donaudamm,
– entlang der Land- oder Bundesstraße ohne begleitenden Radweg (naja, nach 10 km gewöhnt man sich an die vorbeirauschenden Autos – Peter immer schön in der Mitte)
– schlechter Weg am Bahndamm entlang, garniert mit Schlaglöchern und nach der Regennacht riesigen Pfützen

Ok, das schlimmste Stück mit Pfützen so groß wie Seen lassen wir nach dem hilfreichen Tipp eines ortskundigen Ungarn gern aus und folgen lieber der Landstraße und sausen so nach Komáron rein.
Am Campingplatz dann die positive Überraschung. Auch hier sprudelt eine der über tausend Thermalquellen Ungarns und der Campingplatz hat einen direkten Zugang zum Bad. Prima: Wir haben die Auswahl zwischen diversen Schwimm- und Spaßbecken incl. Rutschen, großen Liegewiesen und einer Poolbar (Drink mit Alkohol knapp 2€, alkohohlfrei 1,20€). So lässt es sich bequem leben und es entschädigt für die profanen selbst gekochten Nudeln am Abend.

Sonntag, 12.8.2018
Komáron – Esztergom: 60 km – 1839 km
Nach dem Aufstehen direkt noch mal ins Bad zum Planschen. Später Aufbruch, dafür hat aber der Tesco trotz Sonntag geöffnet und wir können Proviant für den Tag kaufen.
Über die Brücke wechseln wir mal eben den Staat und landen wieder in der Slowakei.

Hab ich im Blog schon einmal erwähnt, wie klasse ich es finde, dass es die EU gibt und ich heilfroh bin, dass wir so einfach, unbeschwert und friedlich(!) die Grenzen überschreiten können? Passend dazu landen wir in Komárno direkt am Europaplatz, der 1999/2000 errichtet wurde. Die Idee: Die 45 Gebäude des Platzes vertreten die einzelnen Länder Europas. Rundherum noch ein paar Bronzestatuen von ehemaligen, wichtigen Herrschern in Europa. Eine wunderbare Idee. Schade nur, dass es auch hier einige Leerstände in den Ladengeschäften zu verzeichnen gibt. Ich wünsche Komárno alles Gute, dass diese Idee weiter wächst und gedeiht.

Die im Reiseführer angepriesene Festung verschließt sich uns festungsgleich. Man kommt nur mit einer Führung rein, die wir uns heute aber nicht geben wollen. So fahren wir nun auf slowakischer Seite die Donau weiter.
Mittags Rast am Strand der Donau. Peter und ich erfrischen uns im kühlen Wasser und freuen uns an den anderen Menschen, die offensichtlich Spaß am Bad in der Donau haben. Vor allem die Jungs, die ihren aufgeblasenen LKW-Reifen immer wieder die Donau herauftragen und dann johlend an uns vorbeipaddeln, haben es uns angetan.

Die letzten 20 km setzen wir uns auf die Landstraße, um den Weg erheblich abzukürzen und so kommen wir flott nach Štúrovo, gegenüber von Esztergom. Von hier haben wir einen grandiosen Blick auf die Basilika von Esztergom. Den größten Kirchenbau Ungarns. Erstaunlich: wir konnten die grüne Kupferkuppel schon 15 km vor Esztergom sehen. Und als wir in Štúrovo eine denkbar langweilige Straße heruntergurken, kommt plötzlich riesengroß, geradezu wie eine Trutzburg, die Basilika in den Blick. Puh, das ist schon ein berauschender Moment. Die Basilika wird pflichgemäß von Štúrovo aus fotografiert (so steht’s immerhin im Reiseführer).

Und dann queren wir wieder die Donau und rollen wieder nach Ungarn rein:

Am Campingplatz gibt es einen kleinen Pool, den wir noch besuchen und beplanschen und dann geht’s in ein Restaurant in der Nachbarschaft. Immerhin möchten wir stilecht ungarisches Gulasch genießen.

Die Sonne geht höchst malerisch hinter der Donau unter und wir sitzen noch ein wenig am Ufer, um dieses Spektakel live mitzuerleben.

Bratislava

Mittwoch, 8.8.2018
Wien – Petronell-Carnuntum, 47 km – 1605 km gesamt
Heute wieder Radfahren! Der Weg aus Wien heraus führt uns an einigen Kilometern Bade- und Grillstrand an der Donau vorbei, dann auf einer Straße ohne Radstreifen durchs Zentraltanklager von Wien-Lobau, dann kilometerlang am Deich entlang.

Bei Orth wechseln wir auf einer winzigen Fähre die Donauseite und machen Badepause.

Catrin hat eine Abkürzung gefunden. Aber der Weg weiter direkt am Donauarm entlang ist nur bedingt radtauglich.

Zum Abschluss kommt zu allem Unglück noch ein starke Steigung in den Ort. Auf der nun folgenden Ebene weht uns der Wind aus Südost teilweise kräftig entgegen. Die vielen Windräder zeugen davon, dass hier wohl meistens Wind weht.


Bei Scharndorf gibt es ein Wasserbecken mitten in der Stadt – wohl eine Kombination aus Freibad, Löschteich und im Winter Eisbahn. Wir nutzen die Gelegenheit für eine Abkühlung.


Vor der Einfahrt nach Petronell-Carnuntum kommen wir am „Heidentor“ vorbei, der bekannteste römische Überrest in Östereich.

In Carnuntum sehen wir uns die Ausgrabungen und Rekonstruktionen der einstmals großen römischen Siedlung an, Carnuntum war einst die Hauptstadt der römischen Provinz Oberpannonien. Besonders gelungen ist die römische Therme, mit original Fußbodenheißung und Warmwasserbecken, beheizt durch den außenliegenden Holzofen. Allerdings wäre das im Winter noch beeindruckender gewesen, wer geht schon bei über 30 Grad Außentemperatur ins Caldarium.

Der Campingplatz ist eine kleine Zeltwiese neben der Tennishalle, sehr heimelig. Und die „Schmankerl Stube“ bietet sogar eine passierliche Auswahl von lokalen Weinen an. Der „gelbe Muskatellar“ ist besonders fein, ich kannte die Rebe bislang nicht.

Donnerstag, 9.8.2018
Petronell-Carnuntum – Čunovo 50 km, 1655 km gesamt
Beim Frühstück bestaunen wir den Vater der französischen Familie, der ein Tandem zusammenbaut, dessen Einzelteile in mehreren Hartschalenkoffern transportiert worden sind. Nach dem Aufbruch noch mehr römische Reste: Das militärische Amphitheater und das Museum in Bad Deutsch-Altenburg über den Alltag der Legionäre (das Museum fanden wir nach einem Umweg über einen Hügel – puh).

Dann immer den Donaudamm entlang nach Osten. Der Gegenwind ist wie ein heißer Fön. An der Grenze zur Slowakei sprießt das Gras zwischen den verlassenen Grenzanlagen, EU sei dank. Am Radweg steht ein Grenzstein.

Wenig später erreichen wir Bratislava und bummeln durch die Stadt. Die Eisdiele hat die Eissorte Mohn-Kirsche, toll! Schöne Häuser, viele Touristen. Es ist heiß, an mehreren Stellen sind Torbögen aufgestellt, in denen Wassernebel zur Kühlung versprüht wird.

Weiter über den Donaudamm, immer schön den Wind von vorne. Endlich erreichen wir den Campingplatz in Cunovo. Das scheint das Kanusport-Zentrum der Slowakei zu sein. Es gibt ein Hotel, Appartements, mehrere Kanu-Slalom-Parcours, und tatsächlich auch einen Zeltplatz. Mit abgesteckten Parzellen auf einer ausgedörrten Wiese in praller Sonne sieht er eher weniger einladend aus. Der Donau-See nebenan ist aber toll, wir schwimmen und schauen den Kanuten zu. Abends ein Bier in der „Bar“ des Hotels – 0,5 l für 1,65€ sind eine positive Überraschung.

 

Wien, nur du allein

Montag, 6.8.2018
Wien
Die Nacht war relativ laut, kein Wunder bei einem Campingplatz an einer Art Autobahnkreuz mit Bahnlinie nebenan. Wir lassen die Räder stehen und fahren mit der U-Bahn in die Stadt. Zuerst in den Stefansdom und auf den Turm hinauf.

Dann Bummel durch die Innenstadt, an spanischer Hofreitschule und Hofburg vorbei bis zum naturhistorischen Museum. Da haben wir den Rest des Tages verbracht. Ein toller Bau.

Auch Peter ist begeistert und fragt uns Löcher in den Bauch. Wir arbeiten uns durch die Mineralogie, vorbei an der Entstehung des Lebens, der Ur- und Frühgeschichte bis zu den Dinosauriern.

Weiter mit der Entstehung des Menschen. Hier begegnet uns das Original der Venus von Willendorf wieder. Schließlich durch die Zoologie mit endlos vielen präparierten Tieren in historischen Vitrinen. Und alles in den prächtigen Räumen des Wiener Historismus (oder so). Am Spätnachmittag sind wir platt und fahren zum Brauereigasthof Fischerbräu (danke Robert für den Tipp).

Von der Bahnstation Spittelau haben wir einen schönen Blick auf das nach Hundertwassers Plänen gestaltete Heizkraftwerk.

Dienstag, 7.8.2018
Wien
Erst zum Hundertwasserhaus, das erste und bekannteste der von Hundertwasser entworfenen Häuser.

In Plochingen am Neckar sind wir auch schon an einem vorbeigekommen. Dann nach Schönbrunn. Die Hofburg kennen wir schon, Schloss Schönbrunn noch nicht.

Dort herrscht ein Touristengewühl wie in Neuschwanstein. Einlass nach Ticketerwerb wäre drei Stunden später gewesen. Da gehen wir lieber in den Zoo nebenan, das Schloss können wir uns noch danach ansehen. Der Tierpark Schönbrunn ist einer der ältesten Zoos der Welt, mit 20€ Eintritt pro Erwachsenem vielleicht auch einer der teuersten. Der Zoo ist toll, Peter hüpft unermüdlich von einem Gehege zum nächsten, und auch wir sind von den Erklärungen zum Eisbären und der Fütterung der Ameisenbären fasziniert. Wir bewundern die lumenizierende Meerwalnuss (das ist eine Rippenqualle, falls es jemand nicht sofort weiß). Die Blumenkohlquallen versetzen Peter in meditative Stimmung.

Es ist heiß, auch das Panzernashorn sucht Abkühlung im Wasserstrahl.

Als wir endlich genug haben, ist es auch für das Schloss zu spät. Macht nichts, so haben wir noch ein Ziel für den nächsten Aufenthalt in Wien. Auf dem Rückweg ist die U-Bahn proppevoll, darunter auffällig viele zurechtgemachte Mädchen. Am Stadion steigt alles aus – Ed Sheeran spielt heute live in Wien! Wir hören Klangfetzen bis zum Campingplatz.

 

Wien wartet auf dich

Samstag, 4,8.2018
Krems – Tulln, 51 km – gesamt1510 km
Der Radweg zieht sich etwas langweilig auf dem Donaudamm hin. Und heiß ist es! Mitten im Nirgendwo steht die „Bärenhütte“ mit anständiger Bewirtung, und hier ballen sich die Radfahrer. Das Skihüttenflair steht im Kontrast zum Atomkraftwerk direkt dahinter. Ok, das Kraftwerk ist nie in Betrieb gegangen, das kann man von außen aber nicht sehen.

Am Anfang von Tulln führt der Weg durch eine Art Gartenschau-Gelände, aber alles leicht verwahrlost. Sieht trotzdem schön aus. Oder grade deswegen. Wir erreichen den Campingplatz in Tulln am frühen Nachmittag. Rekordpreis der letzten 4 Wochen, knapp 30€. Aber ein Badesee direkt nebenan, an dem sich am Samstag die halbe Einwohnerschaft tummelt. Lauwarmes Wasser, toller Spielplatz, Wasserrutsche. Fein!

Sonntag, 5.8.2018
Tulln – Wien, 48 km – gesamt 1558 km
Immer noch Donaudamm. Touristisches Highlight vor Wien ist Kloster Neuburg. Wir folgen der vorbildlichen Beschilderung für Radfahrer direkt bis in eine Tiefgarage mir Radfahrplätzen. Aber alles wirkt tot und unbelebt – wir folgen der Wegweisung durch Parkhauskatakomben bis zum Eingang. Kaum Touristen, keine indischen Reisegruppen, nur ein paar andere verirrte Seelen. Die „große“ Führung gibt es nur einmal täglich, dafür müssten wir noch recht lange warten. Wir schauen uns deswegen nur die prächtige Stiftskirche an.

 

 

 

 

In der Vinothek gibt es lauter Leckereien für viel Geld. Auch da sind wir nahezu allein. Keine Ahnung, warum das eine der Top-Sehenswürdigkeiten Österreichs sein soll. Stift Melk hat da irgendwie deutlich mehr hergemacht. Nach Wien fahren wir längs über die Donauinsel herein, ein einziger großer Freizeit- und Badebereich. Zum Campingplatz „am Kleefeld“ müssen wir den Weg unterm Autobahnkreuz finden. Dann sind wir in Wien! Nachmittags mit der U-Bahn ins Zentrum, kurzer erster Stadtbummel, abends Wiener Schnitzel beim Pürstner. In Linz haben wir schon die Linzer Torte verpasst, da wollen wir in Wien gleich mit dem Wiener Schnitzel beginnen.
Zum Nachtisch bekommt Peter ein Eis und einen Besuch auf dem Spielplatz im Stadtpark spendiert.

 

Auf dem Weg nach Wien

Mittwoch, 1.8.2018
Linz – Grein, 59 km – gesamt 1366 km
Auf dem Weg möchten wir heute eine Geschichtseinheit einlegen und der KZ-Gedenkstätte Mauthausen einen Besuch abstatten. Schon Kilometer vorher wird auf die gräuliche Geschiche dieser Gegend hingewiesen. Als der Weg vom Donauradweg Richtung Gedenkstätte abbiegt, steht dort ein Schild mit dem Hinweis: 2 km steile Strecke mit bis zu 14% Steigung. Da uns die 10% Steigung der Pöstlingbergbahn noch gut in Erinnerung ist (die wir ja zum Glück gefahren worden sind) und wir auch unsicher sind, ob die Konfrontation dieses dunklen Teils der Geschichte schon was für Peter ist, fahren wir lieber weiter. Wenige hundert Meter später kommen wir am örtlichen Schwimmbad vorbei. Peter jubelt und fragt, ob wir es besuchen können. Da der letzte Programmpunkt wegfiel, fällt uns kein Gegenargument ein und so finden wir uns statt in einer Gedenkstätte in einer Badestätte wieder.
Mauthausen liegt auf der Hälfte unserer geplanten Tagesetappe, die 40 km betragen soll. Wir peilen den im Reiseführer eingetragenen Campingplatz beim Hörstorfer Badesee an. An der Informationsstelle an der Donau in der Nähe von Hörstorf müssen wir um kurz vor 17 Uhr feststellen, dass es den Campingplatz gar nicht mehr gibt.
Frust! Was nun? Der nächste Campingplatz ist 20 km weiter in Grein. Wir füllen vorsichtshalber mal den 10l Wasserschlauch auf, falls wir uns für die nächste Nacht ins Gebüsch schlagen müssen. Doch der Weg ist gut ausgebaut und asphaltiert, die Räder rollen leicht. Nach 5 km leere ich den Wasserschlauch wieder und fahre um 10 Kilo befreit locker weiter. Peters Laune ist in Ordnung. Wir zählen alle Zahlen von 1 bis 408 durch und kommen am Greiner Campingplatz an. Er ist überraschend leer. Wir treffen viele Leute vom Linzer Campingplatz wieder, die sich aber auf der großen Zeltwiese gut verteilen.
Abends haben wir uns ein leckeres Abendessen verdient. Peter mach die Vorspeisenplatte mit verschiedenen Gemüse mit Salz und Pfeffer. Derweil koche ich Tortellini mit Zuckerschoten in einer Sahnesauce. So lässt es sich gut leben.

Donnerstag, 2.8.2018
Grein – Melk, 49 km – gesamt 1415 km
Wir schieben unsere Räder durch das Örtchen Grein, das vor allem damit wirbt, die Mitte des Donauradweges zwischen Passau und Wien zu markieren.
Anschließend wollen wir mit der Fähre auf das rechte Donauufer übersetzen, um dort weiterzufahren. Jedoch stehen schon Trauben von Menschen und vollgepackten Rädern am Anleger für die ca. 10 Fahrräder fassende Fähre. Wir entscheiden uns spontan, die zwei Kilometer zur vorherigen Brücke zurückzufahren und dort über die Donau zu setzen.
Danach geht es am Teufelsbettstein nach Ybbs.

In Ybbs lockt uns das Fahrradmuseum. Eine wunderbare Sammlung altertümlicher und einiger seltsamer moderner Fahrräder. Wir durften auf Original Nachbauten des Laufrades von Drais und zwei Hochrädern probesitzen. Eine sehr spezielle Erfahrung. Nun wissen wir, was wir an unseren Tourenrädern haben. Peter freut sich, dass im Keller eine Kinderabteilung ist, wo er diverse alte Kinderfahrzeuge ausprobieren darf.

 

Alles in allem besteht das Museum aus je einem kleinen Ausstellungsraum im Erdgeschoss und zwei noch kleineren Ausstellungsräumen im Keller. Aber es besticht durch eine unglaubliche Vielfalt an Exponaten und dem großen Wissen des Museumsaufpassers, der jede Menge über alles in dem Museum zu berichten wusste. Dies beinhaltete beispielsweise auch das Grammophon, das er extra für uns bzw. für Peter in Gang setzte.
Und wieder was gelernt: Ein Grammophon funktioniert gänzlich ohne Strom, nur durch Aufziehen. Toll!
Während unsrer späten Mittagspause an der Ybbs-Mündung beginnt es zu regnen. Unser Nudelsalat verwässert ein wenig, aber ansonsten erfrischt uns der Regen auch. Allerdings fängt die ganze Landschaft inklusive uns an zu dampfen. Bei 35 Grad im Schatten kein Wunder. Es wird sehr Dampfbad-artig.
In Pöchlarn legen wir einen weiteren Stopp ein, da das Fahren bei der hohen Feuchtigkeit anstrengend wird. Erstaunt stellen wir fest, dass hier Nibelungen-Gegend ist und Pöchlarn in der Nibelungensage vorkommt. Hinter Pöchlarn verbirgt sich nämlich der Ort Bechelaren, in dem Markgraf Rüdiger lebte. Dessen Gastfreundschaft nahm der gesamte Hof von Worms bei seiner Reise zu König Etzel in Anspruch.
Nach einer Kaffee-Bier-Eis Pause fahren wir bis Melk und kommen an der komplett durchnässten Zeltwiese am Schiffsanleger für die Donau-Kreuzfahrtschiffe an. Wir bauen das Zelt in die nasse Wiese und im Nu ist auch unser Zeug komplett durchfeuchtet. Die Luftfeuchtigkeit ist wirklich der Wahnsinn. Wir kommen uns vor wie im Regenwald. Alles trieft, man kann nichts anfassen, weil es nur tropft. Peter spielt fröhlich in einer der großen Pfützen auf dem Platz.
Auch die Insekten sind schon da. Bisher brauchten wir wenig Anti-Brumm. Aber heute schlagen wir kräftig zu.
Wir kochen Nudeln und machen Salat, während uns die Frisbeescheibe der benachbarten ungarischen Kanutruppe um die Ohren fliegt.

Freitag, 3.8.2018
Melk – Krems, 44 km – gesamt 1459 km
Wir (also Martin und ich; Peter schläft wie immer länger) werden früh wach und wandern an den Anleger. Wir schauen zwei Kreuzfahrtschiffen beim Anlegen zu und staunen, wieviel Muskelkraft trotz aller Motoren beim Anlegen und Vertäuen vonnöten ist.


Über der Donau wabert immer noch der Restnebel von dem Feuchtigkeitsschub gestern. Jedoch verspricht dieser Tag wieder trockener und sonniger zu werden.
Als auch Peter endlich wach ist und gefrühstückt hat, lassen wir das Zelt zum Trocknen stehen und fahren erst einmal zum Stift, um es zu besichtigen. Wir waren schon einmal vor 10 Jahren hier und hatten es sehr gut in Erinnerung. Und ich kann sagen: Es ist immer noch wunderschön und beeindruckend. Auch Peter geht staunend durch die Ausstellungsräume, die alte Bibliothek und vor allem durch die komplett barocke Stiftskirche. Mit viel Gold ist er ja immer zu beeindrucken. Heute besuchen wir auch den Gartenpavillon mit seinen „exotischen Fresken“. Mit dieser Bezeichnung konnten wir zunächst nicht viel anfangen. Erst als wir davorstanden verstanden wir: Da haben die Leute damals eine exotische Landschaft aufgemalt mit Tieren, die in Afrika oder Asien leben. Da sie diese aber nie gesehen hatten, sondern nur davon gehört, sehen die Tiere teils etwas seltsam aus. Die Ohren des Elefanten sitzen etwas tief und sehen sehr menschlich aus. Der Rüssel endet in einer Art Rosette. Der Vogel Strauß hat einen pferdeähnlichen Kopf und die Mähne des Löwen gleicht wohlfrisiertem Damenhaar. Die Gebisse aller Raubtiere sind ebenfalls sehr menschlich.

Am späten Mittag verlassen wir Melk und machen uns auf eine etwas beschwerliche Tour durch eine Bruthitze. Selbst der Fahrtwind kühlt heute wenig sondern erinnert eher an einen Fön, der uns entgegenbläst.
Nach 20 km machen wir in Spitz am Donauufer Pause. Hier gibt es einen richtigen Strand mit feinem Sand und man kommt seicht in Wasser. Peter ist begeistert. Es fühlt sich fast an wie Meer.
Mit Melk beginnt die Landschaft Wachau, die durch ihren Wein bekannt ist und Unesco Welterbe ist, da aufgrund der landschaftlichen Besonderheit schon in der Steinzeit dort gesiedelt wurde. In Willendorf winken wir kurz der Willendorfer Venus zu, die dort gefunden wurde und 29.000 Jahre alt sein soll.
In Weißenkirchen gehen wir entgegen unserer Gewohnheit (normalerweise bleibt immer mindestens einer bei den Rädern, um das Gepäck zu bewachen) gemeinsam im Spar einkaufen und freuen uns sehr, dass der Laden so gut klimatisiert ist.
Nach so vielen Stopps, wollen wir bis Krems durchfahren, aber da steht am Straßenrand noch ein Hinweisschild für einen Aussichtspunkt. Wir bleiben stehen und schießen ein Foto von einer malerischen Stadt, die uns nichts sagt. Hinterher erfahren wir, dass es Dürnstein ist. Und als wir durchfahren, erinnert uns der Ort stark an Rüdesheim. Ziemlich touristisch mit vielen Nepplädchen. Alles etwas Disneyland-mäßig. Wir rauschen schnell durch und endlich endlich kommt Krems in Sicht. Der Campingplatz liegt zum Glück am Ortsanfang. Das Wetter ist inzwischen komplett trocken und wir freuen uns, unsere Sachen im Trockenen aufbauen zu können. Hier gibt es Picknicktische unter einem Pavillon und wir können im Schatten (!) am Tisch (!) Abend essen.
Wir sind heute durch ein wunderbares Weinanbaugebiet gefahren und ein Heuriger lockte nach dem nächsten. Also müssen wir heute Abend noch unbedingt einen Heurigen besuchen. Gerade als wir am Campingplatz ankommen, hängt jemand ein Plakat für einen Heurigen auf. Dies nehmen wir als Zeichen und besuchen ihn.

Es wird ein wunderschöner Abend in einem tollen lauschigen Garten mit ganz viel Wein zu ganz kleinen Preisen. Der Garten liegt ein paar Meter den Hang hoch. Im Dunkeln fahren wir eine enge, kurvige, steile, dunkle, rumpelige Gasse wieder runter und fühlen uns fast wie bei der Hahnenkamm-Abfahrt in Linz. Nur live und in Farbe. Unsere Bremsen funktionieren prima – auch auf dem Kopfsteinpflaster. Peter jauchzt vor Vergnügen.

Skurrilitäten auf dem Weg

Und dabei wähnten wir uns schon längst in Baden Württemberg:

 

Alles Quatsch – der Weg führte wunderbar nach Weltenburg:

 

Soviel Angebot! Man kann sich gar nicht entscheiden:

 

Danke für den Hinweis! Wir wären glatt reingefallen:

 

Standup-Paddler-Schwarm auf dem Neckar:

 

In diesem Konstrukt übernachtete tatsächlich eine vierköpfige Familie:

 

Nanu, wer ist denn das?

      

 

Die beiden verrückten, unglaublich sympathischen und stolzen Briten mit ihrem Longboard-Anhänger:

Linz

Dienstag, 31.7.2018
Linz, 17 km – gesamt 1307 km
Auch wenn der Zeltplatz nicht zu unseren liebsten auf der Tour gehört (eher im Gegenteil…), verlängern wir noch um einen Tag, um die drittgrößte Stadt Österreichs noch ein wenig besser kennenzulernen.
Martin möchte ins Ars Electronica Center und ich möchte mir noch gern die Altstadt in echt anschauen.
Zunächst suchen wir einen Fahrradladen, da wir einen Sprengring von der Halterung für das FollowMe verloren haben. Der erste Laden, den wir finden, hat Urlaub, der zweite hat nur Mittwochs bis Samstags geöffnet.
Na gut, dann verschieben wir die Suche und besuchen zunächst das Ars Electronica Center. Martin freut sich, soviel Informationen und Wissenswertes über das Thema seines Interesses (Computer, Computer, Computer) zu erfahren. Beide Männer finden die vielen Mitmachstationen total super und mir wird schlecht bei der computeranimierten Show, die in der Abfahrt des Hahnenkammrennens gipfelt. Im Großen, Ganzen aber ein wirklich tolles Museum, in dem auch aktuelle Themen wie z.B. der Umgang mit unseren Daten im Internetzeitalter behandelt werden.


Mittags gehen wir in die Altstadt und finden dort endlich einen Fahrradladen: Das FahrradmechanikerInnenkollektiv „Zum rostigen Esel“. Nach einigem Herumwühlen in der Werkstatt findet sich tatsächlich ein passender Sprengring, der an den Schnellspanner geschraubt werden kann so dass die Halterung für das FollowMe wieder halbwegs fest sitzt.
Spätes Mittagessen in der Altstadt in einer Pizzeria, die mit „original“ neapolitanischer Pizza wirbt. Die Pizza ist wirklich gut und wird originalgetreu mit der Schere bearbeitet. Wer mich kennt, weiß, dass Basteln nicht so meins ist. Aber das Basteln mit Pizza ist prima!

Gesättigt besuchen wir noch den Mariendom; die Kirche mit dem größten Innenraum in Österreich.
Nach der Besichtigung fragt Peter, ob wir noch mal in das „Technikmuseum“ gehen könnten. Und zu seiner Überraschung bejahen wir, da die Karten für den ganzen Tag gelten und auch Martin noch nicht alles gesehen und ausprobiert hat. Zum Glück schließt das Museum um 17 Uhr, sonst hätte ich die beiden Männer gar nicht mehr aus dem Museum bekommen.
Flott fahren wir zum Zeltplatz zurück und genießen es, ganz ohne Zeltaufbau einfach in den See springen zu können.

Geburtstag

Montag, 30.7.2018
Feldkirchen – Linz, 32 km – gesamt 1290 km
Heute ist Peters großer Tag: Er wird 6! Beim Frühstück gibt es ein Geburtstagslied und für „on the road“ erstaunlich viele Geburtstagsgeschenke, dank Sandra, die ihm tolle und praktische Dinge für die Weiterreise schenkt.

Gut ausgerüstet mit ganz vielen Spielen im Gepäck und einer Geburtstagsgirlande incl. Geburtstagsballon am Fahrrad fahren wir Richtung Linz.

Die Tour soll heute kürzer sein, damit wir in Linz noch Kindergeburtstagsprogramm machen können.
In Linz schließen wir die Räder in einem Innenhof an und steigen dann in die Pöstlingbergbahn. Diese Bahn ist die steilste Straßenbahn der Welt und fährt ohne Zahnrad oder andere Hilfsmittel auf einer bis zu 10% steilen Trasse den Linzer Hausberg Pöstlingberg hoch.
Oben erwartet uns die Erlebniswelt Pöstlingberg. Auf einem Rundweg um den Berg gibt es zunächst einen Aussichtspunkt auf Linz herunter. Die Wallfahrtsbasilika „Sieben Schmerzen Mariä“ lassen wir locker links liegen, denn schon lockt die „Grottenbahn“, die in einem der Türme der Befestigungsanlage eingerichtet worden ist. Eine wunderbar nostalgische Anlage, durch die zunächst die Drachenbahn an allerlei hübschen Miniaturlandschaften, die Märchen darstellen, vorbeifährt. Nach der dritten Runde fängt der Drache sogar an zu qualmen. Toll! Für grad 6 Gewordene ist diese Fahrt ganz schön unheimlich. Gut, dass er zwischen Sandra und mir sitzen darf.
Nach der Drachenbahn geht es ein Stockwerk tiefer und dort ist die Linzer Altstadt sehr originalgetreu aufgebaut. Man schlendert zwischen den Häusern durch und erschrickt fast, als einem die Marktfrau Obst anbietet, weil auch die Figuren recht echt wirken. Wenn man in die kleinen Gassen zwischen die Häuser geht, gelangt man zu menschengroßen Märchenlandschaften. Hier nun werden die bekannten Märchen dargestellt (v.a. Brüder Grimm). Oft gibt es Knöpfe an der Wand, mit denen die Szenen „animiert“ werden können, d.h. es geht Licht an und die Figuren sprechen die Schlüsselsätze der Märchen. Peter hopst begeistert von einer Szene zur nächsten und schaut die Schaufenster der nachgebildeten Altstadt an, die liebevoll von den echten dort ansässigen Läden ausgestaltet sind. Vor den verkleinerten Häusern sieht Peter richtig groß aus.


Die Männer sind derweil schon vorgegangen und trinken Bier im Biergarten am Ende der Runde um den Pöstlingberg. Wir bestellen uns alle noch etwas zu essen (das Geburtstagsmahl) und dann geht es schon wieder an die steile Abfahrt mit der Straßenbahn herunter nach Linz.


Die Zeit mit Sandra und Manfred soll heute zu Ende gehen, daher kreuzen wir flott den Hauptplatz in Linz und fahren zum Hauptbahnhof weiter. Im Park vor dem Hauptbahnhof ist ein Spielplatz, auf dem Peter spielt, bis Manfred die Zugtickets zurück nach Passau gelöst hat. Wir verabschieden uns und gehen jeder unserer Wege. Schade, mit Sandra und Manfred hätten wir es auch noch einige Tage bis Wochen länger ausgehalten.
Wir fahren noch ein Stück weiter die Donau entlang, bis wir am nächsten Zeltplatz am Pleschinger See ankommen. Wir sind etwas überrascht: Der Zeltplatz ist winzigklein und schon viele Radler tummeln sich darauf. Noch bevor wir uns als Gäste anmelden, werfen wir das Zelt vom Fahrrad und bauen es geschwind auf: Was man hat, hat man.
Nun schnell die Badesachen angezogen und noch eine flotte Runde schwimmen gehen im See. Das Wasser ist warm, die Sonne scheint. Der Regen, der uns die vergangenen Tage immer wieder begleitet hat, scheint uns vergessen zu haben.
Als es dunkel wird, kramen wir noch die Wunderkerzen aus der Geburtstagsgeschenktüte raus und lassen sie auf dem Steg abbrennen. Furchtbar romantisch. Außerdem reduziert diese Aktion wieder unser Gepäck.
Trotz des hohen Füllegrads ist der Abend und die Nacht auf dem Zeltplatz ruhig.