Palermo

Dienstag, 6.11.2018
San Nicola L’Arena – Palermo, 32 km, insgesamt 4944 km
Der Verkehr auf der SS113 wird stärker, je mehr wir uns Palermo nähern. Wir kommen wir durch den Ort Casteldaccia, der am Sonntag abend auch in den deutschen Nachichten erschien: Durch die Unwetter schwoll ein Bächlein mächtig an und ließ mehrere Menschen in einem Haus ertrinken. Wir sehen die Schlammreste auf der Straße und freuen uns, dass es jetzt sonnig ist.

Die Beine sind uns etwas schwer, die Vorstellung, dass heute die letzte Radetappe unserer Tour sein soll, stimmt uns gleichzeitig schwermütig und fröhlich. Wir fahren bis zum Ufer am Foro Italico und genießen den Blick auf Palermo, den Hafen und den danebenliegenden Monte Pellegrino.

 

Wir können unser Appartement „Antadia“ früh beziehen, dürfen die Räder in einem ungenutzten, verwahrlosten Raum im Erdgeschoss unterstellen und bekommen sogar den Schlüssel dazu.
Anschließend machen wir uns an die Erkundung der Stadt. Wir finden die Chiesa di San Cataldo mit drei arabisch wirkenden Kuppeln und direkt nebenan Santa Maria dell’Ammiraglio mit goldenen Mosaiken an Wänden und Kuppel.

Obwohl wir uns von Kultur und Kirchen gesättigt fühlen, überraschen uns diese beiden Kirchen sehr, sind sie doch komplett anders als alle anderen Kirchen, die wir auf unserer Tour gesehen haben.

Die Fontana Pretoria belustigt durch eine Reihe mehr oder weniger gut getroffene Tierköpfe.

Dann bummeln wir über den Straßenmarkt, auf dem vormittags wahrscheinlich mehr los ist.

Der Vergleich zwischen Palermo und Neapel drängt sich auf: Allerdings sind die Häuser in Palermo niedriger, die Straßen breiter, das Menschengewirr weniger dicht und der Verkehr weniger tosend und laut. Dafür sind mehr Menschen mit anscheinend nordafrikanischer Herkunft zu sehen.

Mittwoch, 7.11.2018
Palermo
Vormittags fahren wir nach Monreale, um uns den dortigen normannisch-arabisch-byzantinischen Dom anzusehen. Mit dem Bus – wir haben keine Lust, mit dem Fahrrad im Stadtverkehr von Palermo bergauf zu fahren. Der Dom beeindruckt mit seinen mosaikgeschmückten Wänden. Wir klettern ein paar Treppen hinauf, umrunden den Dom außen, haben einen wunderbaren Blick über Palermo bis zum Meer und können von oben in den Kreuzgang blicken.

 

Wieder zurück in Palermo schauen wir uns den „Normannenpalast“ mit der Cappella Palatina an. Innen wieder durchgehend goldfarbener Mosaikschmuck, an den Wänden und auf dem Boden arabisch wirkende geometrische Muster. Die geschnitzte Holzdecke erinnert an Stalaktiten in einer Tropfsteinhöhle. Den Eintritt erschwert uns die Gepäckdurchleuchtung, bei der Catrins Taschenmesser auffällt. Sie muss es erst draußen irgendwo unauffällig deponieren, bevor wir hineingelassen werden. Die übrigen Räume können wir unter der Woche nicht besichtigen, weil dort das sizilianische Regionalparlament tagt.

Am Nachmittag schauen wir uns die Kapuzinergruft an. Ein paar hundert Jahre wurden dort die Toten eher getrocknet als begraben und reihenweise auftrecht an den Wänden entlang aufgestellt. So konnte man seine Verblichenen noch lange besuchen. Der unterschiedliche Erhaltungszustand von Kleidung, Haut und Knochen wirkt etwas makaber. Bevor wir eintreten konnten, hat uns ein deutsches Touristenpärchen vom Besuch mit Peter abgeraten – der Anblick sei wirklich nichts für Kinder. Auch der Kapuzinermönch am Eingang äußert Bedenken. Peter dagegen findet die Begegnung mit den Toten durchaus interessant. An der „Attraktion“ der Gruft schleusen wir Peter allerdings vorbei – ein zweijähriges Mädchen, das im Jahre 1920 gestorben, einbalsamiert und überraschend lebensecht erhalten ist.

 

In Palermo erleben wir eine neue Art der Unfreundlichkeit, ähnlich, wie es in Berlin kultiviert wird. Beim Einkauf wird man recht zögerlich bedient, und im Café ist man eher Bittsteller als Gast. Wir hatten allerdings auch freundliche Bedienungen, z.B. die Dame, bei der wir zu Mittag „Cardoon“ gegessen haben, im Ausbackteig frittierte wilde Artischocke.

Donnerstag, 8.11.2018
Palermo
Vormittags sehen wir uns den Dom an. Von außen ein sizilianisch-typisches wildes Gemisch aus normannischen, arabischen und byzantinischen Stil, von innen eher langweilig.

 

In einer Seitenkapelle liegt Santa Rosalia, die Stadtheilige von Palermo. Der Staufer Friedrich der zweite liegt ebenfalls hier in seinem Sarkophag. Wir klettern aufs Dach und genießen den Ausblick über das sonnige Palermo. Anschließend bummeln wir die Haupteinkaufsmeile Via Maqueda und ihre Verlängerung entlang und landen mittags im eher kleinen Marktviertel Vucciria, wo wir Arancini essen – frittierte, gefüllte Reisbällchen.

Urlaubsmüde besuchen wir den botanischen Garten. Der ist ziemlich verwahrlost. Interessant sind die Mimosen, deren Blätter sich bei Berührung zusammenfalten, die grünen Papageien in den Bäumen und die riesigen Gummibäume mit ihrem gewaltigen Wurzelwerk.

 

Zurück im Appartement stellen wir fest, dass sich jemand unser Bier aus dem Gemeinschaftskühlschrank gegriffen hat. Ja, ja, Sizilien ist ein kriminelles Pflaster. Das war vielleicht das Schutzgeld für die Mafia.
Abends essen wir in einem Restaurant am Piazza Rivolutione Pizza, Pasta und – nicht ganz stilecht – Burger.

Freitag, 9.11.2018
Palermo/ Mondello, 34 km, insgesamt 4978 km
Den letzten Tag wollen wir am Strand verbringen und fahren mit den Rädern nach Mondello, einem kleinen Badeort ein paar Kilometer nordwestlich von Palermo mit einer beeindruckenden Seebrücke.

Es ist sonnig, leidlich warm und wir tun tatsächlich den ganzen Tag nichts außer lesen, im Sand buddeln und im Wasser plantschen.

Wir sind nicht die einzigen, es kommen immer wieder Leute für ein Sonnenbad oder ein paar Schwimmzüge. Getränke gibt es in der Bar gegenüber.

Am Nachmittag wieder zurück nach Palermo, dann kaufen wir ein paar Vorräte für die Fähre und essen nochmal am Piazza Rivolutione. Gegen 20:00 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Fähre, die erst um 23:00 Uhr ablegen soll.
Ciao, Sicilia.

 

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