Ungarn – Slowakei – oder was?

Freitag, 10.8.2018
Čunovo – Györ, 66 km – gesamt 1721 km
Nach der ziemlich anstrengenden Tour gestern (Gegenwind bei brüllender Hitze) wollte ich maxial 30 km heute fahren.
Füh aufgewacht und direkt aufgestanden, um die Kühle am frühen Morgen noch mitzunehmen. Wirklich früh losgekommen (um 8 Uhr). Doch schnell zeichnet sich ab: Die Tour heute wird nicht so mörderisch wie gestern. Es schiebt sich immer wieder Bewölkung vor die Sonne und der Wind bläst eifrig von hinten, interessanterweise aus Norden.
So rauschen wir schon 3 km nach dem Start nach Ungarn rein. Auch hier ist die Grenze wieder eher lächerlich. Auf einem Blechschild identifizieren wir die ungarische Flagge und die schwarz-weiß angestrichene Schranke sehen wir mal als Grenze an.

Nach dem Foto rollen wir direkt nach Rajká rein. Der erste ungarische Ort. Zum Glück sind die Schilder teils noch in ungarisch und deutsch geschrieben. Am ersten Lädchen halten wir an. Am benachbarten Geldautomaten wird Geld gezogen und dann geht es ins Abenteuer „in Ungarn ohne Sprachkenntnisse einkaufen“. Gut, dass die Leute hier noch zum Großteil Deutsch sprechen können.
Von Rajká aus lassen wir uns am straßenbegleitenden Fahrradweg der Landstraße entlang von Rückenwind nach Mosomagyaróvár pusten. Nach der Etappe gestern „eigentlich“ mein Maximalziel. Jedoch ist es nach der Besichtigung des Altstädtchens erst 11:30 Uhr und die Puste reicht noch für mehr.

Schnell wird klar, dass Györ nun auch nicht mehr so weit ist. Nach einer kurzen Mittagsrast an der alten Burg Ovár in Mosomagyaróvár setzen wir uns also wieder auf die Landstraße und lassen uns weiter Richtung Györ wehen. Es geht durch einige nette, kleine Örtchen, teils eine abenteuerliche Radegeführung, die wir bisher noch nicht kennen:

Rechts oder links herum um die Kapelle???

Am frühen Nachmittag trudeln wir in Györ ein. Direkt am Ortseingang winkt ein Schild mit „Camping“. Wir schwenken dort ein, landen in einem schönen Garten und dürfen dort unser Zelt aufbauen.
Nun haben wir uns aber Zeit am Wasser verdient. Wir schnappen unsere Schwimmsachen und fahren an die Mosoni-Duna, dem Nebenarm der Donau, der die Gegend hier bestimmt. Nach einer kurzen Zeit des Planschens zieht sich der Himmel komplett zu, es fängt an zu grollen und wir packen angesichts des grauen Himmels unsere Sachen lieber wieder ein und fahren zum Zelt. Dort haben wir kaum das erste Bier aufgemacht, dann blitzt und donnert es und es regnet. Im Zelt verbringen wir mit Lego, lesen und Tagebuch schreiben bei Regentreiben den Rest des Abends.

Samstag, 11.8.2018
Györ – Komáron: 58 km – gesamt 1779 km
Es hat die ganze Nacht mal mehr, mal weniger geregnet. Fein, so haben wir einen Grund auszuschlafen. Frühstück im Zelt. Als der Regen weniger wird, fangen wir an zusammenzupacken. Schließlich hört der Regen auf und wir packen das feuchte Zelt ein.
Kurzer Spaziergang durch Györ. Schönes Städtchen. Es scheint ein Barockfest stattzufinden. Lauter barock verkleidete Menschen bevölkern die Stadt. Peter ist von den ganzen Reifröcken begeistert.
Beeindruckend der Erinnerungsbrunnen an den Erfinder des Sodawassers und des Soda-Syphons.

Als wir aus Györ rausfahren, kommen wir bei einem Obi vorbei. Während Martin reinspringt, um eine neue Gaskartusche für den Kocher zu kaufen, lasse ich den Blick durch’s Gewerbegebiet schweifen und kann Werbung für folgende Läden finden:
Obi (na klar, ich stehe ja davor), DM, C&A, Fressnapf, Aldi, Lidl. Spar, Kaufland, sogar einen Praktiker soll’s hier irgendwo geben. Außer Tesco also alles fest in deutscher Hand und sehr vertraut.
Auf der Hälfte des Weges finden wir einen wunderbaren Radwanderer-Rastplatz inmitten eines Dorfes. Überdachte Tische und Bänke, ein Coop für den Mittagssnack und ein Cafe für eine Tasse Kaffee, die mit zum Rastplatz genommen werden kann. Wir treffen einige Radler vom Campingplatz in Györ wieder.
Auf dem Weg nach Komaron finden wir heute wegetechnisch alles, was der Reiseführer hergibt:
– schön asphaltierter (und langweiliger) Weg auf dem Donaudamm,
– entlang der Land- oder Bundesstraße ohne begleitenden Radweg (naja, nach 10 km gewöhnt man sich an die vorbeirauschenden Autos – Peter immer schön in der Mitte)
– schlechter Weg am Bahndamm entlang, garniert mit Schlaglöchern und nach der Regennacht riesigen Pfützen

Ok, das schlimmste Stück mit Pfützen so groß wie Seen lassen wir nach dem hilfreichen Tipp eines ortskundigen Ungarn gern aus und folgen lieber der Landstraße und sausen so nach Komáron rein.
Am Campingplatz dann die positive Überraschung. Auch hier sprudelt eine der über tausend Thermalquellen Ungarns und der Campingplatz hat einen direkten Zugang zum Bad. Prima: Wir haben die Auswahl zwischen diversen Schwimm- und Spaßbecken incl. Rutschen, großen Liegewiesen und einer Poolbar (Drink mit Alkohol knapp 2€, alkohohlfrei 1,20€). So lässt es sich bequem leben und es entschädigt für die profanen selbst gekochten Nudeln am Abend.

Sonntag, 12.8.2018
Komáron – Esztergom: 60 km – 1839 km
Nach dem Aufstehen direkt noch mal ins Bad zum Planschen. Später Aufbruch, dafür hat aber der Tesco trotz Sonntag geöffnet und wir können Proviant für den Tag kaufen.
Über die Brücke wechseln wir mal eben den Staat und landen wieder in der Slowakei.

Hab ich im Blog schon einmal erwähnt, wie klasse ich es finde, dass es die EU gibt und ich heilfroh bin, dass wir so einfach, unbeschwert und friedlich(!) die Grenzen überschreiten können? Passend dazu landen wir in Komárno direkt am Europaplatz, der 1999/2000 errichtet wurde. Die Idee: Die 45 Gebäude des Platzes vertreten die einzelnen Länder Europas. Rundherum noch ein paar Bronzestatuen von ehemaligen, wichtigen Herrschern in Europa. Eine wunderbare Idee. Schade nur, dass es auch hier einige Leerstände in den Ladengeschäften zu verzeichnen gibt. Ich wünsche Komárno alles Gute, dass diese Idee weiter wächst und gedeiht.

Die im Reiseführer angepriesene Festung verschließt sich uns festungsgleich. Man kommt nur mit einer Führung rein, die wir uns heute aber nicht geben wollen. So fahren wir nun auf slowakischer Seite die Donau weiter.
Mittags Rast am Strand der Donau. Peter und ich erfrischen uns im kühlen Wasser und freuen uns an den anderen Menschen, die offensichtlich Spaß am Bad in der Donau haben. Vor allem die Jungs, die ihren aufgeblasenen LKW-Reifen immer wieder die Donau herauftragen und dann johlend an uns vorbeipaddeln, haben es uns angetan.

Die letzten 20 km setzen wir uns auf die Landstraße, um den Weg erheblich abzukürzen und so kommen wir flott nach Štúrovo, gegenüber von Esztergom. Von hier haben wir einen grandiosen Blick auf die Basilika von Esztergom. Den größten Kirchenbau Ungarns. Erstaunlich: wir konnten die grüne Kupferkuppel schon 15 km vor Esztergom sehen. Und als wir in Štúrovo eine denkbar langweilige Straße heruntergurken, kommt plötzlich riesengroß, geradezu wie eine Trutzburg, die Basilika in den Blick. Puh, das ist schon ein berauschender Moment. Die Basilika wird pflichgemäß von Štúrovo aus fotografiert (so steht’s immerhin im Reiseführer).

Und dann queren wir wieder die Donau und rollen wieder nach Ungarn rein:

Am Campingplatz gibt es einen kleinen Pool, den wir noch besuchen und beplanschen und dann geht’s in ein Restaurant in der Nachbarschaft. Immerhin möchten wir stilecht ungarisches Gulasch genießen.

Die Sonne geht höchst malerisch hinter der Donau unter und wir sitzen noch ein wenig am Ufer, um dieses Spektakel live mitzuerleben.

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