Triest

Montag, 3.9.2018
Ljubljana – Postojna, 58 km , gesamt 2644 km
Es nieselt morgens, das haben wir eigentlich anders geplant. Die ersten 20 km geht es noch entlang von straßenbegleitenden Radwegen – nun ja, was hier so Radweg genannt wird, streckenweise war es ein geschotteter Seitenstreifen auf der linken Straßenseite. In Vrhnika (Oberleibach ist einfacher auszusprechen) platzt eine Grundschule und ein Strom von Erstklässlern gemeinsam mit den stolzen Eltern ergießt sich vor uns auf dem Bürgersteig. Schultüten gibt’s hier nicht und auch der Ranzen scheint am ersten Schultag zu Hause zu bleiben. Stattdessen sind alle Kinder vorbildlich mit Warnwesten ausgestattet und die Eltern schleppen Kartons mit Schulbüchern (so sieht es zumindest aus) aus der Schule raus. Wir setzen uns in ein Cafe neben weitere „Einschulungsfamilien“, anschließend hat der Regen Pause, hurra! Wir fahren in die Berge mit entsprechenden Steigungen und betrachten die dunklen Wolken mit gemischten Gefühlen.

 

 

In Planina folgen wir einem Schild zu einer Tropfsteinhöhle. Keine Parkplätze für Touristen, keine breite Zufahrt – schließlich finden wir einen gähnenden Höhleneingang, aus dem ein Flüsslein rauscht.

 

 

Mit Taschenlampen bewaffnet ziehen wir durch eine beeindruckend große Höhle los. Leider wird unser Forscherdrang nach ein paar Dutzend Metern von einem verschlossenen Gitter gebremst. Die Höhle kann nur mit einem Führer besichtigt werden. Wie wir später lesen, handelt es sich um einen großen See unter Wasser, hier braucht man nicht nur einen Führer, sondern auch ein Boot. Wir picknicken im Höhleneingang und entgehen dem wieder einsetzenden Regen. Peter ist die Höhle unheimlich, er sieht Höhlenbären in der Dunkelheit. Irgendwann müssen wir doch weiter, über die nächste Anhöhe. Als wir in Postojna ankommen, sind wir so durchnässt, das wir uns von der Touristeninfo das nächstbeste Hotelzimmer vermitteln lassen. Schade eigentlich, wir verpassen den Campingplatz, auf dessen Gelände eine kleine Tropfsteinhöhle sein soll.

 

Dienstag, 4.9.2018
Postojna
Morgens Nebel, mal ein ganz ungewohntes Wetter. Wir laufen zur Tropfsteinhöhle und sind wie letztes Jahr beeindruckt: Auf Schienen fährt ein Bähnchen 2 km in den Berg hinein, wir queren mehrere Höhlen, von denen jede einzelne in Deutschland eine Touristenattraktion wäre.

 

Dann geht es auf einen 1,5 km langen Rundgang durch prächtige Höhlen mit wunderbaren Tropfsteinformationen. Wir kennen die Höhle schon vom letztjährigen Sommerurlaub, sie ist aber auch beim zweiten Besuch beeindruckend.

 

Am Nachmittag gehen wir ins „Karst-Museum“. Eine gut gemachte Ausstellung über die Entstehung des Kalksteingebirges, den Höhlen und dem Leben darin und darüber.
Seit Mittag hat sich die Sonne durchgesetzt. Wir sitzen abends auf dem zentralen Platz in Postojna und genießen die Abwesenheit von Regen.

Mittwoch, 5.9.2018
Postojna – Osp, 61 km, insgesamt 2705 km
Nachdem der Morgennebel sich gehoben hat, kommt ein wunderschöner Tag mit Sonne. Wir folgen heute dem Track, der in der Karte (OSM) als Eurovelo 9 markiert ist. Meist kleine Nebenstraßen, aber auch Schotterwege und ein schmaler Waldweg. Dementsprechend mehr auf und ab.

 

Wir kommen durch Betanja nach Skocjan mit der Doline, durch die die Reka fließt. Die Höhle haben wir uns letztes Jahr im Urlaub angesehen. Jetzt stehen wir oben am Rand der Doline bei Sonnenschein, zwischen Schmetterlingen und wildem Thymian.

 

 

 

 

In einem Gebäude sind Fotos von der Höhle ausgestellt, in einer restaurierten Scheune ist eine Austellung über die Getreideernte in früheren Jahren. Kaum Touristen, alles sehr beschaulich. Auf dem weiteren Weg kommen wir über ein Hochplateau und haben schließlich einen weiten Blick aus hundert Metern Höhe bis zur Küste und dem Meer. Adria in Sicht! Über das Tal schwingt sich im kühnen Bogen die Autobahn.

 

Mit halsbrecherischem Gefälle geht es ins Tal hinab, die letzten 6 km bis zum Campingplatz müssen wir kaum noch in die Pedale treten. Stattdessen sorgen wir uns um unsere Bremsen. Der Campingplatz in Osp ist eine Wiese neben einer Bar, deren Betreiber ein Deutschsprachiger ist. Wir zelten mit Panoramablick auf den Steilhang. Das Zelt vermittelt nach 5 Nächten in geschlossenen Zimmern ein Gefühl wie zu Hause. Endlich wieder im Zelt schlafen!

 

 

 

 

Donnerstag, 6.9.2018

Osp – Camping Pian del Grisa bei Triest, 29 km, insgesamt 2734 km
Erstes Ziel ist Noghere, wo ein Decathlon ist – meine Regenjacke hat sich als wenig tauglich erwiesen und ich hätte gerne Ersatz. Nach 2 km überqueren wir die Grenze nach Italien – auch hier keine Pauken und Trompeten, sondern nur ein verschmiertes Grenzschild. Das erste Auto, das uns entgegenkommt, hat ein Hamburger Kennzeichen.

 

Den Decathlon finden wir in einem riesigen Einkaufszentrum, dessen Zugang anscheinend ausschließlich durch eine große Tiefgarage führt.

 

Ob die neue Jacke ihren Zweck erfüllt, werden wir erst beim nächsten Regen erfahren. Heute ist das Wetter sonnig und ein paar Grad wärmer als die letzten Tage in Slowenien. Weiter durch rauschenden Verkehr bis Triest hinein. Im Zentrum sind die Straßen rechtwinklig angelegt, gesäumt von mehrstöckigen Palazzi, mal mehr, mal weniger hübsch.

 

 

Wo laut Plan eine Touristeninfo sein soll, ist nur ein leeres, im Umbau befindliches Gebäude. Dann suchen wir das Eisenbahnmuseum im ehemaligen Bahnhof. Das ist leider seit Sommer 2017 geschlossen wegen Renovierung. Renovierungsbedürftig sieht das Gebäude auch aus, aktiv daran gearbeitet wird aber wohl eher nicht. Ok, dann gehen wir halt ins Meeresmuseum. Dort finden wir heraus, das es leider nur von 9 bis 13 Uhr geöffnet hat, und da sind wir zu spät dran. Letzter Versuch: Aquarium. Das hat tatsächlich geöffnet und präsentiert die Meeresfauna aus dem Golf von Triest. Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg zum Campingplatz. Es sollen nur wenige Kilometer sein, allerdings liegt der Campingplatz oben auf den Triest umschließenden Hängen. Das Sträßchen steigt steil an, wir können auch schiebend die Räder mit Gepäck kaum hinaufwuchten. Eine Dame spricht uns an und sagt, dass es die nächsten 2 km steil bergauf geht. Anscheinend wirken wir entsprechend hilfsbedürftig, sie bietet uns an, unser Gepäck hinaufzufahren. Das Angebot nehmen wir dankend an. Dann schiebe ich mein Rad mit Peters Rad angekoppelt ohne Gepäck den Berg hinauf, was anstrengend genug ist. Catrin, Peter und Gepäck werden zum Campingplatz hochgefahren. Auf dem Rückweg sammelt die Dame mich wieder ein, Catrin schiebt den Rest hinauf und ich beginne erneut den Anstieg mit Catrins Rad.

 

Peter bleibt unterdessen beim Gepäck am Campingplatz. Schließlich sind wir oben mit Rädern und Gepäck. Ich verifiziere: Nach einer Strecke von ca. 1,8 km zeigt das Navi 344 Höhenmeter – das sind im Durchschnitt 19% Steigung. Oben steht ein Schild und warnt vor 23% Gefälle. Großen Dank an die spontane Hilfsbereitschaft!

 

Als Andenken habe ich mir eine dicke Blase am Fuß gelaufen. Sandalen sind halt keine Bergschuhe.

One thought on “Triest

  1. Hallo ihr drei Radwanderer!
    Ich bin begeistert, dass ihr schon an der Adria angekommen seid. Eine tolle Leistung! Mit großem Interesse lese ich eure Reiseberichte und bin erstaunt, was ihr euch unterwegs auch noch anschaut.
    Ihr habt viele Kilometer für unser Team im Stadtradeln zurückgelegt. Vielen Dank! Ich wünsche euch weiterhin eine gute Fahrt und viel Spaß!

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