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Montag, 27.8.2018
Veržej-Banovci – Maribor, 61 km, gesamt 2407 km
Beim Aufstehen schauen wir in die Sonne. Herrlich! Das Wetter ist wieder besser. Trotz durchgehend Sonne wird es aber heute nicht allzu heiß. Zum Glück, denn heute fahren wir unsere erste Bergetappe (Martin: Eher Hügeletappe). Die Straßen schlängeln sich durch sanfte Hügel (Alpenausläufer). Wir fahren auf (puh) und ab (toll) durch die wunderschöne, sattgrüne Landschaft, garniert mit ein paar kleineren Seen. Ein hübsch rausgeputztes Dorf reiht sich an das nächste. Welch Augenweide nach den vielen verfallenen Häusern in Ungarn. Hier wurde alles hübsch renoviert, bis hin zur kleinsten Kapelle am Straßenrand.
Eine Landstraße ist für den Verkehr gesperrt. Da wir aber den Umweg (natürlich mit viel Auf und Ab) nicht nehmen möchten, fahren wir diese Straße trotzdem weiter und bekommen 5 km später den Grund präsentiert: Die halbe Straßenseite fehlt, da das Erdreich unter ihr abgerutscht ist. Mit den Rädern kommen wir aber zum Glück locker auf der anderen Seite an dem Loch vorbei.

 

Beim Reinrollen nach Maribor kommen wir als erstes an einem Aldi (der hier, wie in Österreich, Hofer heißt). Wir kaufen für das Abendessen ein und machen uns auf die Suche nach dem Campingplatz. Wir haben uns ein Restaurant direkt am Drauufer ausgesucht, das auf der Internetseite mit Campingmöglichkeit wirbt. Es entpuppt sich als absolut idyllisches Anwesen, das allerdings eher Wohnmobile aufnimmt. Egal – wir schlagen unser Zelt direkt am Drauufer auf und genießen den Abend mit traumhaftem Blick auf den Fluss. Neben uns zwei deutsche und ein holländisches Wohnmobil.

 

 

 

 

 

Dienstag, 28.8.2018
Maribor, 10 km, gesamt 2417 km
Der Zeltplatz ist wunderschön und Maribor haben wir auch noch nicht gesehen. Also bleiben wir den Tag in Maribor. Schauen uns die Stadt an. Nette Altstadt, wenig los.

 

Das Aquarium und Terrarium wirbt. Wir gehen hin, da Peter ja immer gern Tiere schaut. Insgesamt ist das aber eine sehr lahme Veranstaltung. Klein, alt und ziemlich miefig. Wir sind enttäuscht. Da haben wir doch mehr erwartet. Da reißt uns der älteste Weinstock der Welt mit seinen 400 Jahren doch mehr vom Hocker.

 

Anonsten Eis essen, Limonade trinken und den Nachmittag am Zeltplatz „Urlaub machen“. Abends gesellt sich noch ein deutsches Pärchen mit seinem Wohnmobil neben uns. Sie wohnen seit einigen Jahren auf Mallorca und bereisen einen großen Teil des Jahres mit ihrem Wohnmobil Europa. Sie laden uns auf einen Wein ein, schenken uns ihre übrig gebliebenen Cevapcici, die wir gern auf dem gleichfalls geliehenen Grill grillen, und erzählen uns sehr unterhaltsam von ihren Reisen. Wir sitzen bis spät in den Abend am Ufer der Drau und wickeln uns in immer mehr Decken. Der Mond ist zwar nicht mehr ganz voll, trotzdem scheint er so hell, dass er Schatten wirft.

MIttwoch, 29.8.2018
Maribor – Celje, 63 km, gesamt 2480
Wir brechen für den späten Abend gestern vergleichsweise früh auf. Ein paar Hügel und Berge warten auf uns. Im groben folgen wir der Eurovelo 9, der „Bernsteinroute“ von der Ostsee zur Adria. Beschildert ist sie allerdings nicht. Die ersten 20 km sind noch wunderbar flach. Dann ändert sich die Landschaft langsam und es wird hügeliger. Die Hänge herauf ziehen sich Häuser und kleine Ortschaften. Schöne Landschaft! Leider ist jetzt nun nix mehr mit Radwegen. Wir teilen uns die Straße mit Autos, Motorradfahrern und LKW. Die nächsten 20 km geht es beständig bergauf. Meist nur sanft, aber auch einige knackige Steigungen werden per Straßenschild angesagt. Mehrmals 10%, zweimal 14% und zweimal sogar 18%. Puh, das ist schon echt steil, wenn man seine 50 kg Gepäck und das Kind und den Tagesproviant den Berg hochzerren muss. Doch irgendwann sind wir oben und werden mit über 10 km sanft abfallender Straße belohnt. Die Landschaft heute ist berauschend schön. In den Ohren rauscht es auch vor lauter Anstrengung. So ist das Rauschen der Motoren um uns herum nicht ganz so schlimm.

 

Nachdem wir schon in Maribor am Ufer der Drau einen so wunderschönen Zeltplatz hatten, landen wir nun 6 km vor Celje auf einem kleinen Campingplatz, wunderschön inmitten von Feldern gelegen. Im Ranking unserer Lieblingszeltplätze landet dieser Platz direkt ziemlich weit oben. Kühlschrank, Bar mit einem slowenischen Radiosender mit toller Musik und nette Holländer im Wohnwagen nebenan, mit denen wir über Europapolitik diskutieren können. Deren Tochter wohnt übrigens in Sulzbach bei Frankfurt, klein ist die Welt.

 

 

Donnerstag, 30.8.2018
Celje – Litija, 68 km, gesamt 2548 km
Wir fahren vormittags nach Celje, die drittgrößte Stadt Sloweniens. Eigentlich wollen wir nur kurz durchs Zentrum bummeln, gehen Peter zuliebe aber ins Stadtmuseum. Das entpuppt sich als Glücksgriff. Es gibt eine Austellung über Celje ab 1900 bis heute und ein wunderbar gestaltetes Kindermuseum mit Spielzeug, Krimskrams, Malecke, „Bankschalter“ zum Spielen und kindgerechten Erklärungen von Jahreszeiten, Sonnensystem und anderem mehr.

 

Auch die Innenstadt wirkt einladend und freundlich und herrlich normal. Viel Tourismus scheint hier nicht zu sein.

 

 

Die höchst sehenswerte Burg betrachten wir nur von unten.

Wir fahren Mittags weiter die Savinja entlang aus der Stadt heraus. Die Straße mit viel Verkehr und ohne Seitenstreifen verlassen wir nach einiger Zeit und wechseln auf die andere Flußseite, wo es nur kleine Sträßchen entlang geht, dafür aber gut rauf und runter. Premiere heute: Bei km 2502 hat Catrin einen Platten. Klassischer Schlangenbiss, trotz gut gefülltem Reifen.

 

Beim Flicken kommen zwei Reiseradler aus Wien vorbei, die wir schon in Maribor getroffen haben. Ab Globoko wird die Strecke arg unwegsam und es gibt heftige Steigungen auf Schotterwegen. Diesen Weg würden wir normalerweise nur wandernd und maximal mit Tagesrucksack und nicht mit Gepräck für ein halbes Jahr auf dem Fahrrad zurücklegen. Bei Zidani Most wechseln wir den Fluss und fahren die Save hinauf, erst auf einer weniger befahrenen Straße, ab Podkraj Bundesstraße mit viel Verkehr. Das Flusstal ist wunderschön, steile Hänge auf beiden Seiten und das rauschende Flüsschen dazwischen.

 

Schade (oder gottseidank?), der wunderbare Fluss ist touristisch nicht erschlossen. Kaum Dörfer, nicht ein einziges Cafe irgendwo. Kaffeepause machen wir an einer Tankstelle an der Bundesstraße. Wir erreichen kurz vor Litija einen Bauernhof mit Zeltwiese, auf dem wir heute die einzigen Camper sind. Enten paradieren über die Wiese, von einem Collie bewacht.

 

Abends zieht es sich bedrohlich zu, Blitze zucken durch die tiefhängenden, dunklen Wolken. Ein beeindruckendes Schauspiel, jedenfalls solange es weit genug weg ist. Irgendwann setzt auch hier Regen ein und wir verziehen uns in unser heimeliges Zelt. Zum Glück bleibt das Gewitter in den anderen Tälern und kommt nicht zu uns.

 

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